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Anstoß zu dieser Arbeit gab uns, Studentinnen der angewandten Kulturwissenschaft und Kultursemiotik, ein doppeltes Unbehagen:
Die stete Ausbeutung westlich-hegemonialer Art von Mitwelt, Mitmenschen und Mitgeschöpfen und die gleichzeitige elfenbeinturm-artige Distanz oder gar Schadhaftigkeit, die wir in den uns ausbildenden Bildungseinrichtungen wahrgenommen haben.
Die Kluft zwischen vorhandenem Wissen und den vorfindbaren Verhältnissen stört uns in vielerlei Hinsicht. Besonders deutlich tritt diese in dem Verhältnis zwischen den als ‘Wir’ und den als ‘Andere’ deklarierten Subjekten zu Tage.
Dabei ist es den Kulturwissenschaften zu eigen sich der gesamten Bandbreite der Künste, Überzeugungen und kommunikativen Praktiken einer Gesellschaft zu widmen. In der institutionellen Fortführung und Anlehnung an die Birminghamer Cultural Studies liegt das Potential, in engagierter Weise zwischen Theorie und materieller Kultur, sowie zwischen intellektueller Arbeit und Politik zu vermitteln (vgl. Grossberg/Nelson/Treichler 1992:6 ff.). Das produzierte Wissen soll einen dekonstruktiven, strategischen sowie performativen Charakter haben und zur Lösung gesellschaftlicher und individueller Probleme beitragen. Ethische Fragestellungen wie die der sozialen Gerechtigkeit sind dabei von großer Bedeutung (vgl. Winter 2011:9).
Ist die Disziplin zu optimistisch, was die Möglichkeiten von Widerstand, popularer Handlungsmacht und kultureller Transformation angeht? Wir sehen in den unsrigen Privilegien auch die Pflicht uns aktivistisch einzubringen und Fürsprache für einen sozialen Wandel zu halten. Denn:
„Wissenschaftliche Entdeckungen vermögen noch keinen gesellschaftlichen Wandel auszulösen. Obwohl heutzutage alle wissen, dass Tiere keine Maschinen sind, behandeln Menschen sie dennoch weiterhin wie Maschinen zur Produktion von Fleisch, Milch, Leder, Pelzen oder Öl.[…] Wann immer soziale und politische Fortschritte erzielt wurden, in der Französischen Revolution, in der Aufklärung, in der Dekolonisierung, in der Emanzipationsbewegung der Frauen, waren Kultur und Erziehung die Hauptstützen dieser Entwicklungen. Sie sind die Säulen der Gerechtigkeit“ (Pelluchon 2020:109).
Wir wünschen uns, eine möglichst breite Leser:innenschaft zu erreichen und diese für tierdiskriminierende Sprache, Bilder und Verschleierungstaktiken zu sensibilisieren. Mit unserem kulturwissenschaftlich-semiotischen Hintergrund bieten wir einen etwas anderen Einblick in die Macht und Sprache der Tiernutzungsindustrie, die sich in den karnistischen Systemen Berichterstattung, Lobbyismus und Industrie und Wissenschaften über nichtmenschliche Tiere niederschlagen.
Jede Anregung und Nachricht ist uns herzlich willkommen.
Viola & Megan
LITERATUR UND QUELLEN ZUM NACHLESEN
Corine, Pelluchon: Manifest für die Tiere. Wiesbaden: 2020.
Grossberg, Lawrence/Nelson, Cary/Treichler, Paula: Cultural Studies. London/New York: 1992.
Winter, Rainer (Hg.): Die Zukunft der Cultural Studies. Theorie, Kultur und Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Bielefeld: 2011.